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Prophet T8 - Reparatur einer defekten Stimme

Kurz vor unserem Konzert in Oberhausen ereilten uns mitten in den Proben zwei extrem unangenehme Vorfälle - diese geschahen auch noch am gleichen Tag in der gleichen Probe:

Wir stellten auf einmal fest, dass bei unserem Sequential Circuits Prophet T8 eine Stimme ausgefallen war. Gleichzeitig trat bei dem ebenfalls für das Konzert vorgesehenem Yamaha CS60 plötzlich ein Quietschen auf, welches unabhängig von dem gespielten Ton dauerhaft zu hören war und immer wieder die Frequenz wechselte.

Glücklicherweise hatten wir für den CS60 noch einen veritablen Ersatz - einen CS50, sodass wir dieses Problem zunächst einmal auf Seite stellen konnten. Der Ausfall des Propheten war allerdings ein ziemlicher Schock, zumal wir natürlich für solch ein seltenes Stück kein Backup besitzen.

Trotz großer Frustration machten wir uns frisch ans Werk, um zunächst einmal den Fehler zu diagnostizieren. Das im Folgenden beschriebene Vorgehen erfordert weder ein Messgerät noch einen Lötkolben, nur Schraubenzieher, etwas Systematik und viel Feingefühl:

Die 16 Stimmen des Propheten sind in zwei Bänken organisiert. Erst mal mussten wir herausfinden, in welcher Bank die defekte Stimme ist. Dazu galt es, einen geeigneten zweistimmigen Preset auswählen, den Regler zunächst nur auf die linke Bank, dann auf die rechte Bank zu drehen und jeweils nacheinander 8 Tasten drücken und gedrückt zu halten. Ist irgendwo eine Lücke, ist die Bank identifiziert. Bei uns war es nur eine Stimme in einer Bank.

Als nächstes mussten wir herausfinden, welcher Stimme betroffen ist. Dazu den Prophet ausschalten, warten und wieder anschalten. Den richtigen Preset einschalten und wieder nacheinander die 8 Tasten drücken und gedrückt halten. Mitzählen, welche Nummer es war. Ich glaube, es war die Nummer 5.

Prophet ausschalten und aufschrauben.

Platine mit den Filterchips freilegen (Die Filterchips sind erkennbar am Aufdruck CEM 3370. Davon gibt es insgesamt 16, zusätzlich stecken auf dieser Platine auch noch 8 CEM 3372 und diverse andere)



Glücklicherweise sind die Chips alle gesockelt - daher kann man folgendermaßen vorgehen: Vorsichtig je zwei nebeneinander liegende Chips heraushebeln, vertauschen und vorsichtig wieder einsetzen. Propheten anschalten, Preset wählen und wieder die 8 Tasten drücken und schauen, ob sich etwas getan hat. So kann man den Chip identifizieren der mutmaßlich kaputt ist.

Unsere Aktion mit dem paarweisen Wechseln der CEM3370 brachte keinen Erfolg, wir ließen uns allerdings nicht entmutigen und versuchten es weiter mit den CEM3372

Und siehe da - auf einmal war das Voice-Loch auf einer anderen Stimme. Wir hatten unseren Chip identifiziert!

Eine schnelle Recherche ergab, das der CEM3372 noch in kleinen Stückzahlen und zu vertretbaren Preicen (ca. 50-60 Euro) im Netz zu beschaffen war. Also haben wir vorsichtshalber gleich zwei Stück bei zwei verschiedenen Quellen geordert.

Um unseren T8 allerdings sofort wieder zur Verfügung zu haben, machten wir etwas, was eigentlich wirklich frevelhaft und dekadent ist: Wir schraubten einen Prophet 600 auf und entnahmen von dort einen CEM 3372, um ihn im T8 zu verbauen. Es ist schon ein ziemlich mulmiges Gefühl, einen voll funktionsfähigen 600er "auszuschlachten" und es hilft auch nicht wirklich zu wissen, dass dieser in zwei Wochchen wieder heile gemacht werden kann.

Na - so what - es hat funktioniert, unser Prophet summte, wummerte und zwitscherte wieder wie am ersten Tag! Unser Konzert hat er ohne Mucken überstanden und er erfreut uns immer noch regelmäßig in Volkers Studio bei den Proben und Sessions.

Mittlerweile ist auch unser Prophet 600 wieder vollständig - ich habe vor, ihm zur Entschädigung in unserem Aachener Studio einen Ehrenplatz mit voller Spielgarantie einzuräumen. Wer täte das an meiner Stelle nicht?



 
 
Letzte Änderung: 09.09.2016 12:35:16
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