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  CRUMAR BIT ONE / BIT 99 / BIT 01
Baujahr 1984 bis 1986

Was hat Crumar mit Moog und Maggi zu tun? Und warum haben wir ein halbes Byte von den Bits bei uns herum stehen? Dafür muss ich ein wenig ausholen: Die beschauliche italienischen Gemeinde Castelfidardo nennt sich gerne das „Silicon Valley der Musikinstrumente“. Und tatsächlich ist die Region bekannt für den Akkordeonbau. Doch immer wieder probierte man es auch mit Orgeln und sogar Synthesizern. Bekannt wurden Marken, wie etwa Farfisa, Elka, GEM, Orla, Siel, Bontempi oder eben Crumar. Und wenn man sich nicht sicher war, ob man da einen Synthesizer oder eine Tischhupe entwickelt hatte, dann wurde einfach schnell eine weitere Firma gegründet und ein neues Label auf das Instrument geklebt, damit der gute Name der Familie nicht beschmutzt wurde. So gab es neben den genannten Unternehmen auch noch weitere Firmen, wie Pari, Antonelli oder Elettronica Excelsior (Elex) und darüber hinaus unzählige andere Labels, deren Geräte letztlich alle mehr oder weniger aus der selben Schmiede stammten.

Doch Crumar wollte sich beim Synthesizerbau nicht alleine auf die Fähigkeiten von alteingesessenen Akkordeonbauern und Etikettenklebern verlassen. Hier sollten Synthesizer entstehen, die es in sich haben. Dafür holte man sich Entwicklungshilfe von außerhalb des „musikalischen Silicon Valleys“ und engagierte für den Bau des Crumar Spirit zum Beispiel Robert Moog und einige andere Spitzenkräfte des internationalen Synthesizerbaus. Die Rechnung ging auf. Denn der Spirit hat bis heute einen mehr als guten Ruf. Und auch für den Bit One sollte eine Legende des Synthesizerbaus verantwortlich gezeigt werden: Mario Maggi, nicht der Suppen-Maggi, sonder der, der bereits mit dem Elka Synthex einen Meilenstein in die Welt gesetzt hatte. Diesmal musste der Entwicklungshelfer freilich nur über den Zaun klettern, denn Elka und die Familien CRUcianelli und MARrchetti (Crumar) waren ja praktisch Nachbarn.

1984 war es dann so weit. Der Bit One erblickte das Licht der Welt, ein sexy 6-stimmiger Synthesizer, zweifach multitimbral, pro Stimme zwei Oszillatoren (also insgesamt 12 DCO!), Filter, zwei LFO, Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Noise, zwei Hüllkurvengeneratoren (jeweils ADSR) und eine beim Bit 99 mehr bzw. beim Bit One und Bit 01 weniger brauchbare MIDI-Implementierung. Aus die Maus.

Auf Drehregler verzichtete man, entweder, weil man das dem italienischen Sinn für zeitgenössisches Design schuldig war oder, weil man dies dem italienischen Sinn für zeitgenössische Sparsamkeit schuldig war, denn Crumar war leider nach der Fertigstellung des Bit99 Pleite.

Aber mal ehrlich: gespart wurde bei Roland, bei Sequential Circuits oder bei Akai zu dieser Zeit auch, bei Korg sowieso. Denn der Yamaha DX7 hatte die analoge Welt mit seiner FM-Synthese und seiner Preispolitik gründlich durcheinander gewirbelt, um nicht zu sagen: vom Tisch gefegt.

Und der Sound des Bit? Der ist über jeden Zweifel erhaben, charakteristisch und absolut vergleichbar mit einem Juno 60, einem Polysix oder auch einem Prophet 600.

Das besondere am Bit ist etwa die Anschlagdynamik. Per Tastendruck lässt sich z.B. die Geschwindigkeit von LFO 1, die Pulsweite von DCO 1, Amount und Attack jeweils für die Filter und die VCA regeln. Auch der Stereo-Modus (bekannt vom Elka Synthex oder vom Sequential Circuits Prophet T8) ist ein besonderer Leckerbissen. Man stellt den Sound ein sowie die Stereotaste und der Bit 99 gibt eigenständig vor, welche Tasten auf den linken Kanal und welche auf den rechten Kanal geroutet werden. Auch wenn in dieser Betriebsart die Stimmenanzahl halbiert wird, lassen sich so sehr abgefahrene Effekte erzielen.

Ein weiteres Bonbon des Crumar Bit ist der Double Modus. Hier kann man zwei verschiedene Sounds layern. Oder man legt den gleichen Sound übereinander, bei leicht gegeneinander verstimmten Oszillatoren.

Und das ist - verglichen z.B. mit einem Polysix oder einem Juno - eine ganze Menge. Nicht ohne Grund haben wir in unserem Studio alleine vier Bit stehen (also rund ein halbes Byte): Zwei Bit One und zwei Bit 99. Auch, wenn die Bits aus Heavy Metal gebaut wurden, ist die Angst doch zu groß, dass mal einer alle Viere von sich streckt, obwohl das seit den letzten 20-25 Jahren noch keiner von ihnen getan hat. Vielleicht liegt es daran, dass man unwillkürlich an die Halbwertszeit italienischer Autos denkt. Aber wir sollten uns wohl langsam daran gewöhnen, dass die Italiener nicht nur schöne und schlechte Autos können, sondern auch schöne und gute Synthesizer.



Einen ausführlichen Bericht und einen Vergleich von Bit One und Bit 99 habe ich auf Bonedo veröffentlicht: http://www.bonedo.de
 
 
Letzte Änderung: 09.09.2016 12:35:16
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